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Hermann

Hermann Schmidtendorf

Leiter Technik & Büro Berlin

Sanitärreinigung: Wo die Stolpersteine liegen

Sanitärräume sind neben Fußböden die am häufigsten gereinigte Raumgruppe – und verursachen immer wieder Probleme. Welche das sind und wie sie sich lösen lassen.

In Sanitärräumen treten am häufigsten folgende Verschmutzungen auf: Kalk (vom Wasser), Seifenreste und Allgemeinverschmutzungen wie Straßenschmutz, lose aufliegender Schmutz und die Verschmutzung der WCs und Urinale. Alles ganz einfach? Leider nicht. Fehler passieren im Alltag immer wieder – ob durch Unachtsamkeit des Reinigungspersonals oder Gegebenheiten vor Ort verursacht, die der Gebäudedienstleister nicht beeinflussen oder ändern kann.

Wenn wichtige Informationen fehlen

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Dusch- und Waschraum eines metallproduzierenden Betriebes im Dreischichtbetrieb. Die genaue Frequentierung und der dadurch entstehende Arbeitsaufwand waren dem Dienstleister bei der Angebotsabgabe nicht bekannt. Durch solche fehlenden Informationen kann die bestehende Kalku­lation in Bezug auf Zeitaufwand oder Menge/Art der Reinigungsmittel/-methode schnell über den Haufen geworfen werden. Die Reinigungsleistungen im Beispielfall wurden nicht an die tatsächlichen Gegeben­heiten angepasst. Stattdessen wurde strikt nach ­Kalkulation und erstelltem Leistungsverzeichnis gear­beitet. Da sind Reklamation beziehungsweise Unzufriedenheit des Kunden programmiert. Im Vorfeld sollte das Objekt gemeinsam mit dem Kunden begangen werden und auf solche Problembereiche und einen erhöhten Reinigungsaufwand aufmerksam gemacht werden.

Wenn ungeeignetes Material verbaut ist

Eine andere Problematik, die es Dienstleistern nicht einfacher macht: Immer öfter werden säure­unbeständige Materialien verbaut – zum Beispiel Naturstein kalkhaltig (Marmor, Solnhofer ode­r ­Travertin), Kunst­stein kalkhaltig (Terrazzo), harz­gebunde Fliesen mit Kalkanteilen, Betonböden ­geglättet oder Sicht­betonan den Wänden im Spritzbereich. Auch bei Waschtischablagen, Trennwänden oder WC-Brillen werden Materialien verbaut, die­­ eine Reinigung mit handelsüblichen sauren Sanitär­unterhaltsreinigern nicht mehr erlauben. Selbst Mikrofasertücher sind oftmals in der Reinigungs- und Pflegeanleitung der Hersteller ausgeschlossen.

Die Materialien lassen eine klassische Standardreinigung nicht mehr zu. Jetzt kann man eins und eins zusammenzählen: Was passiert wohl, wenn in einem Objekt sehr kalkhaltiges Wasser vorhanden und der Einsatz von kalklösenden Produkten ausgeschlossen ist?! In solchen Fällen hilft nur ein offenes Gespräch mit dem Auftraggeber, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Der Betreiber/Inhaber hat ja auch großes Interesse an einer fach­gerechten und hygienischen Reinigung. Zur Veranschaulichung ein Auszug aus einer Reinigungsempfehlung eines großen deutschen Premium-Armaturenherstellers: „Verwenden Sie für die Reinigung keine kratzenden Schwämme oder Mikrofasertücher. Auch Scheuermittel, lösungsmittelhaltige, alkalische oder saure Reiniger, Kalkentferner, Haushaltsessig und Reiniger mit Essigsäure sind nicht zu verwenden.“ Da kann man nur sagen: Viel Erfolg bei der Arbeit mit Neutralreinigern und dem guten, alten Lochleder!

Wenn Schäden nicht dokumentiert werden

Nicht selten übernimmt ein Gebäudedienstleister Objekte, die bereits älter sind und in denen schon diverse Firmen ihr Glück versucht haben. Eventuelle Vorschäden sollten zusammen mit dem Auftraggeber vor Beginn der Tätigkeit dokumentiert werden. Oft wird dies übersehen und nach ein paar Monaten weiß keiner mehr, woher der Schaden stammt. Dann kann es teuer werden. Und vor allem steht man gegenüber dem Auftraggeber als nicht-professionelles Unter­nehmen da. Der Imageschaden ist in einem solchen Fall oft größer als der finanzielle Schaden.

Wenn jemand nicht aufgepasst hat

Werden durch Unwissenheit oder Unachtsamkeit des Reinigungspersonals einmal Fehler gemacht, kann man diese meist beheben. Ein Beispiel: Ein Sanitär­unterhaltsreiniger mit pH 1 hat einen kalkgebundenen Kunststein stumpf und matt gemacht. Doch (fast) alles, was sich mit Säure beschädigen lässt, kann man mit einer Kristallisation, zum Beispiel mit Cristallo, restaurieren. Dies hat der neue Dienstleister aus dem Fallbeispiel getan – und sich damit gleich sehr gut eingeführt.

Die Mechanik anpassen

Ebenfalls nicht säurebeständig: Boden- und Wand­fliesen aus zementgebundenem Mate­rial. Auch Urin kann hier zu Schädigungen führen. In solchen Fällen darf man nur einen säurefreien Sanitärunterhaltsreiniger zum Einsatz bringen. Immer wieder problematisch sind auch ­ Bodenfliesen – selbst wenn sie säure­beständig sind und man mit einem geeigneten sauren Reiniger ­arbeitet. Oft sind die Fliesen aufgrund der Sicherheitsbestimmungen für Nassräume rutsch­hemmend und daher sehr strukturiert. Sie sind häufig manuell nicht fachgerecht zu reinigen. Erst recht nicht, wenn zusätzlich ein starker Schmutz­eintrag stattfindet. In solchen Fällen muss die eingesetzte Mechanik an die Belagsoberfläche angepasst werden. Sehr gut geeignet sind kleine ­Walzenmaschinen, die in Kombination mit einem­ ­geeigneten Reinigungs­mittel den Schmutz lösen und ihn aufnehmen. Hier kommt der Sinnersche Kreis zum Tragen. Mehr Schmutz ­bedeutet mehr (geeignete) Chemie, eine andere ­Mechanik und vor allem sollte man die Einwirkzeit für sich nutzen. Nicht selten kann das Reinigungsergebnis durch Vorlegen der Reinigungslösung deutlich erhöht werden. Und das mit minimalem Mehraufwand. Mein Leitsatz: „Das Mittel für sich arbeiten lassen – nicht: wir arbeiten für das Mittel.“

Kalkablagerungen müssen nicht sein

Unschöne und leider immer wieder auftretende Kalk­ablagerungen müssen nicht sein. In solchen Fällen sind Spezialprodukte wie Closettbeize Turbo gefragt. Sie beinhalten zwar oftmals einen Anteil von Salzsäure. Bewusst und richtig eingesetzt stellen solche Produkte aber keine Gefahr für Materialien und Werkstoffe dar. Sollten die Ablagerungen regel­mäßig wieder­kehren, muss man den Objektbetreiber ­da­rauf ansprechen. Meist ist ein permanentes Laufen des Wassers – etwa wegen defekter Dichtungen – die ­Ursache. Abgesehen von dem erhöhten Arbeitsaufkommen ist das auch ein ökologischer und kost­spieliger Aspekt, der bedacht werden muss.

Grundsätzlich ist auch bei der Sanitärreinigung zu beachten:

  • A. Arbeitssicherheit und Personenschutz (geeignete Mittel und Methoden) stehen immer an erster Stelle. Nichts ist wichtiger als der Schutz der ausführenden Reinigungskräfte und der Kunden.
  • B. Sauber bedeutet nicht nur optisches Wohl­befinden, sondern auch hygienisch sicher für ­Anwender und Nutzer.
  • C. Werterhaltung der Materialien durch geeignete Reinigungs- und Pflegemittel und Gerätschaften . Das ist gelebte Nachhaltigkeit. Werkstoffe und Einrichtungen lange pflegen und schützen ist der beste Umweltschutz.
  • D. Wenn A, B und C zutreffen, ist das Reinigungsergebnis immer gut und der Auftraggeber/Nutzer sowie die eigenen Reinigungskräfte sindzufrieden.

 

Dabei sollte man nie vergessen: Sanitärräume sind hygienerelevante Bereiche, nicht erst seit der Corona-­Pandemie. Sie sollten immer einen Wohlfühlfaktor verbreiten. (red/rr; Michael Heimpel)

 

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